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Sanierung

Haus aus den 60er- und 70er-Jahren sanieren: typische Schwachstellen

Häuser aus den 60er- und 70er-Jahren prägen viele Wohngebiete in Norddeutschland. Sie sind oft solide gebaut und haben gute Grundrisse, sind aber energetisch und technisch nicht mehr auf dem heutigen Stand. Wer die typischen Schwachstellen kennt, kann gezielt sanieren.

Carsten EggersInhaber02.10.20264 Min. Lesezeit
Einfamilienhaus vor und nach der Dach- und Fassadensanierung

Gebäudehülle, Fenster und Lüftung

In dieser Bauzeit spielte Wärmeschutz noch eine geringe Rolle. Dämmstärken waren gering oder gar nicht vorhanden, und viele Details wurden ohne Rücksicht auf Wärmebrücken geplant. Das zeigt sich heute in hohen Heizkosten und manchmal in Schimmel an kalten Ecken.

  • Dach: oft nur dünn gedämmt, die oberste Geschossdecke häufig gar nicht
  • Außenwände: zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht oder einschalige Wände ohne Dämmung
  • Auskragende Betonbalkone, die als Wärmebrücke wirken
  • Rollladenkästen ohne Dämmung und mit Undichtigkeiten
  • Kellerdecke ohne Dämmung zu unbeheizten Räumen

Bei zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht, wie es im Norden häufig vorkommt, kann eine Kerndämmung eine vergleichsweise unkomplizierte Lösung sein. Ob sie geeignet ist, hängt vom Zustand der Vormauerschale, der Breite der Luftschicht und der Feuchtesituation ab. Das sollte vorab geprüft werden.

Bei der Dachsanierung stellt sich häufig die Frage, ob der Dachboden später ausgebaut werden soll. Davon hängt ab, ob die Dämmung in der Dachschräge oder auf der obersten Geschossdecke sinnvoller ist. Diese Entscheidung sollte vor Beginn der Arbeiten getroffen werden.

Viele Häuser dieser Zeit haben bereits einmal neue Fenster bekommen, oft in den 80er- oder 90er-Jahren. Diese sind besser als die Originale, entsprechen aber auch nicht mehr dem heutigen Standard. Werden Fenster getauscht, ändert sich das Raumklima: Das Haus wird dichter, und Feuchtigkeit kann schlechter entweichen.

Deshalb gehört zu einem Fenstertausch immer die Frage nach dem Lüftungskonzept. Je nach Umfang der Maßnahmen kann ein Konzept nach geltender Norm erforderlich sein. Das klingt aufwendig, ist aber ein wichtiger Schutz vor Schimmel – gerade in Schlafzimmern und Bädern.

Haustechnik: Heizung, Wasser und Strom

Nach fünfzig oder sechzig Jahren ist die Haustechnik in vielen Fällen am Ende ihrer Lebensdauer. Typische Befunde sind:

  • Verzinkte Stahlleitungen für Trinkwasser, die innen zusetzen oder korrodieren
  • Elektroinstallation ohne Fehlerstromschutzschalter und mit zu wenigen Stromkreisen
  • Alte Öl- oder Gasheizungen mit hohen Vorlauftemperaturen
  • Abwasserleitungen aus Gussrohr oder Steinzeug mit undichten Muffen

Gerade die Elektrik wird oft unterschätzt. Die Anforderungen moderner Haushalte – Küche, Homeoffice, Wallbox, Wärmepumpe – passen selten zur alten Installation. Eine Prüfung durch einen Elektrofachbetrieb schafft hier Sicherheit.

Bei der Heizung lohnt es sich, nicht nur das Gerät zu betrachten. Ob eine Wärmepumpe sinnvoll arbeitet, hängt stark von Dämmung, Heizflächen und Vorlauftemperatur ab. Ein Sanierungsfahrplan hilft, die Maßnahmen in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.

Bei Trinkwasser- und Abwasserleitungen zeigt eine Kamerabefahrung oder eine Probeöffnung, in welchem Zustand die Rohre sind. Wer ohnehin Bäder und Küche erneuert, sollte die Leitungen bis zum Hausanschluss gleich mit betrachten. Ein späterer Austausch hinter neuen Fliesen ist deutlich aufwendiger.

Schadstoffe: genau hinsehen

In dieser Bauzeit wurden Materialien verwendet, die heute als problematisch gelten. Dazu können asbesthaltige Fassadenplatten, Bodenbeläge und Kleber, bestimmte Holzschutzmittel oder künstliche Mineralfasern älterer Bauart gehören. Nicht jedes Haus ist betroffen, aber die Möglichkeit sollte bei der Planung berücksichtigt werden.

Wichtig: Verdächtige Materialien sollten Sie nicht selbst entfernen. Eine Probenahme durch Fachleute klärt, ob Schadstoffe vorhanden sind. Wenn ja, sind Ausbau und Entsorgung nach den geltenden Vorschriften durch dafür qualifizierte Betriebe durchzuführen. Das beeinflusst Kosten und Zeitplan und sollte deshalb früh bekannt sein.

Grundrisse und Bäder

Die Grundrisse vieler Häuser dieser Zeit sind kleinteilig: separate Küche, schmaler Flur, kleine Bäder. Oft lassen sich durch das Entfernen nicht tragender Wände offene, helle Räume schaffen. Welche Wände tragen, muss vorher geklärt werden – im Zweifel durch einen Statiker.

Bäder aus dieser Zeit sind meist klein und haben eine Abdichtung, die nicht mehr heutigen Anforderungen entspricht. Bei einer Badsanierung lohnt es sich, auch über Barrierearmut nachzudenken, etwa eine bodengleiche Dusche. Das erhöht den Komfort und den Wert der Immobilie.

Eine 3D-Visualisierung kann helfen, verschiedene Grundrissvarianten zu vergleichen, bevor eine Wand fällt. So sehen Sie früh, wie Räume wirken, und können Entscheidungen in Ruhe treffen.

Sinnvoll priorisieren

Nicht alles muss auf einmal passieren. Sinnvoll ist eine Gesamtplanung, die festlegt, was zuerst kommt und was später ergänzt werden kann, ohne dass bereits erledigte Arbeiten wieder geöffnet werden müssen. Fördermittel können einen Teil der Kosten abdecken. Die Konditionen ändern sich regelmäßig und sollten vor jedem Antrag geprüft werden.

Über den Autor
Carsten EggersInhaber
Uwe Athanasios Menser, Projektleiter bei Sanierungspartner Nord
Uwe Athanasios MenserProjektleiter
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